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Kompass und Kompassmessung − Theoretische Grundlagen

Zeitschrift Feng-Shui-Aktuell, Ausgabe Nr. 7/2008, www.fengshuiaktuell.de

Lo Pan Grundlage jeder Feng-Shui-Analyse ist die korrekte Bestimmung der Lage des untersuchten Hauses. Hierfür wird in aller Regel ein Kompass verwendet. So einfach, wie es scheint, ist jedoch die Ermittlung der Himmelrichtungen auf diesem Wege nicht. Der Autor schildert, welche Gefahren bei der Kompassmessung lauern und wie man sie umgeht.

Wer ernsthaftes Feng Shui betreibt, kommt um die korrekte Bestimmung der Himmelsrichtungen eines Gebäudes oder einer Wohnung selten herum. Wie eine solche Bestimmung in der Praxis funktioniert, sollte jeder Berater während seiner Ausbildung erlernt haben, weshalb sich dieser Artikel weniger mit der praktischen Vorgehensweise bei einer Kompassmessung, sondern mehr mit einigen wichtigen theoretischen Grundlagen und häufigen Fallstricken beschäftigt.

Der Plural von Kompass lautet übrigens Kompasse. Die Bezeichnung Kompanten klingt zwar wesentlich beeindruckender, wird dadurch aber nicht korrekter. Das ursprüngliche italienische Wort Compasso hat den Plural Compassi. Diese Wörter eingedeutscht werden zu Kompass und Kompasse. Die falsche Bezeichnung Kompanten wurde vermutlich irgendwann von den Atlanten übernommen. Diese Analogie kann nicht korrekt sein, da Atlas ein griechischer Name ist, für den völlig andere Regeln gelten.

Aufbau eines Kompasses

Der prinzipielle Aufbau eines Kompasses ist recht einfach. Er besteht in der Hauptsache aus einer magnetischen Nadel, Scheibe oder Kugel und einem Gehäuse, in dem sich diese frei drehen kann. Speziell bei Kompassen, die Erschütterungen und Bewegungen ausgesetzt sind, ist das Gehäuse mit der Nadel häufig mit einer Flüssigkeit gefüllt. Diese bremst die Drehung der Nadel etwas, so dass diese auch bei Bewegung (Wandern etc.) relativ ruhig bleibt. Obwohl das Prinzip recht simpel ist, haben sich im Laufe der Zeit unzählige Bauarten entwickelt, vom Werbegeschenk bis hin zu Spezialgeräten für Auto, Boot, Militär oder Feng Shui.

Kompass-Arten

Feng-Shui-Kompass (Lo Pan)

Im Rahmen einer Feng-Shui-Analyse kommt zumeist ein mehr oder weniger komplexer Feng-Shui-Kompass, der Lo Pan, zum Einsatz. Dieser besteht aus einer Kompassdose mit meist ungedämpfter Nadel. Die Flüssigkeitsdämpfung ist hier auch nicht erforderlich, da ein Lo Pan selten zum Wandern benutzt wird und von daher während der Messung keinen großen Erschütterungen ausgesetzt ist. Um die Kompassdose herum befinden sich mehrere Ringe mit Informationen, die für die Auswertung wichtig sind, und eine 360°-Skala.

Kartenkompass Karten- und andere Kompasse

Ebenfalls gut für Feng-Shui-Zwecke geeignet ist ein einfacher Kartenkompass.

Auch dieser besitzt eine 360°-Skala, ist kleiner und wesentlich günstiger als ein Lo Pan, macht aber lange keinen so professionellen Eindruck auf den Kunden.

Peil-, Boots-, Kfz- oder Spielzeugkompasse sind für die Feng-Shui-Analyse nicht geeignet.

Auch elektronische Exemplare sind problematisch, da deren Anzeigegenauigkeit nicht immer mit der Messgenauigkeit übereinstimmt.

Funktionsweise des Kompasses

Bevor man sich mit der praktischen Handhabung eines Kompasses auseinandersetzt, sollte man sich ein paar Gedanken darüber machen, was ein Kompass überhaupt anzeigt und wie er das tut. Denn entgegen der landläufigen Meinung zeigt eine Kompassnadel eher selten zum Nordpol. Vielmehr richtet sie sich an den örtlichen magnetischen Feldlinien aus. Diese verlaufen nicht geradlinig von Pol zu Pol und werden zudem durch lokale Störungen abgelenkt.

Zeigt eine Kompassnadel also nach Norden, muss das noch lange nicht heißen, dass in dieser Richtung tatsächlich der Nordpol liegt. Mal abgesehen davon, dass der magnetische Nordpol eigentlich ein Südpol ist. Nordpol wurde er damals genannt, weil der Nordpol der Magnetnadel dorthin zeigte. Da sich aber, magnetisch gesehen, Nord- und Südpol anziehen, zeigt das Nordende der Nadel zum magnetischen Südpol.

Die Ausrichtung der Nadel entlang der örtlichen magnetischen Feldlinien sorgt nicht selten für Verwirrung oder gar Fehlmessungen. Deshalb im Folgenden drei der häufigsten Fehlerursachen beim Umgang mit Himmelsrichtung und Kompass.

Ursachen für Messfehler

Deklination

Die Abweichung des Verlaufs der magnetischen Feldlinien vor Ort gegenüber dem geographischen Nordpol, wie er auf Karten verzeichnet ist, wird im Fachjargon Deklination genannt. Derzeit liegen der magnetische Nordpol und der geographische Nordpol über 1000 km voneinander entfernt. Dieser Abstand verändert sich ständig, denn die magnetischen Pole wandern jährlich um etliche Kilometer. Zudem wird das Erdmagnetfeld durch örtliche Gegebenheiten beeinflusst, beispielsweise durch magnetische Gesteinsschichten.

Durch diese beiden Faktoren ergibt sich für jeden Ort der Erde ein spezifischer Unterschied zwischen der Ausrichtung der Kompassnadel und dem geographischen Nordpol. Diese Missweisung ändert sich ständig und kann zudem nicht für einen längeren Zeitraum vorausberechnet werden, da die Verschiebung des Magnetfeldes recht ungleichmäßig geschieht.

Entnehmen kann man die für den jeweiligen Standort aktuellen Deklinationswerte diversen Internetseiten (z.B.: http://www.ngdc.noaa.gov/geomagmodels/Declination.jsp). Es wird je nach Standort und Zeit entweder eine östliche Missweisung (durch + gekennzeichnet) oder eine westliche Missweisung (durch − gekennzeichnet) in Grad und Gradminuten angegeben. Die Methoden, die Deklination vor Ort zu bestimmen, würden den Rahmen dieses Artikels sprengen und wären zudem in der Praxis kaum praktikabel.

Benötigt wird dieser Wert immer dann, wenn die Ausrichtung eines Objektes einem Satellitenbild oder einer Karte entnommen werden (siehe weiter unten) oder auf eine in der Vergangenheit liegende Ausrichtung zurückgerechnet werden muss.

Inklination

Die Ausrichtung der Kompassnadel folgt nicht nur in horizontaler Richtung dem Erdmagnetfeld, sondern auch in vertikaler. Die Linien des Erdmagnetfeldes verlaufen nämlich nicht parallel zur Erdoberfläche. Vielmehr treten sie, vereinfacht gesagt, in Polnähe senkrecht aus der Erde aus und beschreiben einen Bogen, bis sie beim gegenüberliegenden Pol wieder in die Erde eintreten.

Dadurch ergibt sich eine Neigung der Kompassnadel zu einer Seite hin, abhängig vom eigenen Standort. In Europa beträgt diese Inklination ca. 66,5°. Um diese Schräglage auszugleichen, wird ein Ende der Kompassnadel etwas beschwert, so dass sie waagerecht liegt und nicht am Gehäuseboden schleift. Ein auf diese Weise ausgeglichener Kompass ist natürlich nur für einen begrenzten Einsatzbereich verwendbar. Eine für die Nordhalbkugel ausgeglichene Kompassnadel würde auf der Südhalbkugel schief hängen.

Das hilft natürlich nicht in Polnähe, hier würde die Nadel versuchen, sich senkrecht zu stellen und im Gehäuse verklemmen, aber an solchen Orten sind Feng-Shui-Beratungen ohnehin selten. Ob und wie stark sich das Phänomen in der Praxis auswirkt, hängt also stark von der Bauart des Kompasses und dem eigenen Standort ab.

Deviation

Die Deviation bezeichnet die Ablenkung der Kompassnadel durch künstlich erzeugte magnetische Felder. Solche Felder entstehen in der Nähe von elektrischen Leitungen oder magnetischen Gegenständen (Lautsprecherboxen etc.). In der Luft- und Seefahrt werden solche Ablenkungen durch verschiedene technische Maßnahmen verringert. Als Feng-Shui-Berater bleibt nur die Möglichkeit, diesen Störquellen, so gut es geht, auszuweichen. Insbesondere Gebäude aus Stahlbeton, Bahnlinien oder Tiefgaragen in städtischen Umgebungen machen ein solches Unterfangen manchmal recht schwierig. Alternative Möglichkeiten werden weiter unten beschrieben.

Die Richtlinien der deutschen Bundeswehr schreiben für genaue Messungen übrigens einen Mindestabstand des Kompasses von 5m zu Messern, Äxten und Waffen, von 200m zu Stahlbetonbauten und 500m zu elektrischen Anlagen vor!

Alternativen zur Kompassmessung

An Orten mit vielen Störeinflüssen, kann eine Messung mit einem herkömmlichen Kompass unmöglich sein. Insbesondere in Stadtgebieten treten teilweise sehr starke Störungen durch Tiefgaragen, Kanäle, Oberleitungen, Stahlbetonbauten und elektrischen Installationen auf. Zuweilen verursachen diese von einem Meter auf den anderen Abweichungen von 180°. An solchen Orten muss man sich anderweitig behelfen:

Google-Earth

Eine dank der modernen Technik recht einfache Methode sind die Satellitenbilder von Google-Earth (http://earth.google.de). Diese stehen zumindest in den Ballungsräumen mit recht hoher Auflösung zur Verfügung. Notwendig ist dazu nur eine Software, die für den privaten Gebrauch kostenlos erhältlich und einfach zu installieren ist.

Ist das betreffende Gebäude auf den Aufnahmen ersichtlich, kann dessen Ausrichtung mittels eines herkömmlichen Geodreieckes ermittelt werden. Denn die Aufnahmen sind, sofern man das nicht im Programm verändert, exakt nach dem geographischen Nordpol ausgerichtet. Druckt man sich den Abschnitt mit dem gewünschten Gebäude aus, ist die Ermittlung der Ausrichtung nur noch etwas Zeichenarbeit.

Wichtig ist hierbei allerdings, dass die gemessene Richtung mittels der Deklination umgerechnet werden muss. Denn man ermittelt hier die geograpische Ausrichtung und die weicht vom tatsächlichen Magnetfeld um mehrere Grad ab, wie weiter oben schon beschrieben wurde. Es wird je nach Standort und Zeit entweder eine östliche Missweisung (durch + gekennzeichnet) oder eine westliche Missweisung (durch − gekennzeichnet) in Grad und Gradminuten angegeben. Entnimmt man die Ausrichtung eines Gebäudes oder Grundstückes aus einer Karte, hat man also die geographische Ausrichtung gegeben, muss eine westliche Missweisung abgezogen und eine östliche Missweisung hinzugezählt werden um die magnetische Ausrichtung zu erhalten.

Katasterpläne

Stehen via Google-Earth keine aktuellen Aufnahmen zur Verfügung oder geht es um ein Gebäude, das noch gar nicht steht, kann man sich auch mit Auszügen aus dem Katasterplan behelfen. Zu bekommen sind diese Pläne bei den zuständigen Baubehörden. Auch diese sind recht genau eingenordet, die Vorgehensweise ist analog zu den Satellitenbildern.

Messen in der Vergangenheit

Da sich die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes ständig ändert, ändern sich theoretisch auch diejenigen Feng-Shui-Berechnungen, die auf den Himmelsrichtungen basieren. Das ist immer dann interessant, wenn man die Lebensgeschichte langjähriger Bewohner älterer Gebäude nachvollziehen möchte. Denn für die Berechnung der damaligen Situation kann nicht mit der aktuellen Ausrichtung gerechnet werden, es muss die damalige herangezogen werden. Ist die Deklination für den jeweiligen Ort zur damaligen Zeit bekannt, können die aktuell gemessenen Himmelsrichtung mittels der Deklination auf den damaligen Wert zurückgerechnet werden.

Pflege und Lagerung eines Kompasses

Zum Abschluss noch ein paar Hinweise, wie man seinen Kompass behandeln sollte um ihn lange nutzen zu können:

Absolut wichtig ist, ihn niemals starken Magnetfeldern auszusetzen. Lautsprecherboxen, Elektromotore, ältere Netzteile von Elektrogeräten und natürlich Magnete jeglicher Art sollten sich nicht in der Nähe des Kompasses befinden. Auch Erschütterungen sollten vermieden werden, denn diese können die Lagerung der Nadel beschädigen. Den Transport im Handgepäck eines Flugzeuges scheinen Kompasse übrigens problemlos zu überstehen.

Gerhard Zirkel
Berater für klassisches Feng Shui
www.feng-shui-direkt.de
www.feng-shui-suche.de

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