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Architektur, psychologisch betrachtet − von Antje Flade

Architektur psychologisch betrachtet Die chinesische Raumpsychologie Feng Shui basiert auf einer Vielzahl psychologischer Zusammenhänge, die hierzulande nicht unbekannt sind. Lediglich in der Art der Kommunikation unterscheidet sich das chinesische Feng Shui von den Ansätzen der westlichen Psychologie.

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit dem westlich-wissenschaftlichen Ansatz der Architekturpsychologie, ohne allerdings den asiatischen Ansatz zu erwähnen.

Den Einstieg in das Thema findet die Autorin über die Grundlagen der Architekturpsychologie und ihre Herkunft. Das Ziel der Architekturpsychologie ist, der Autorin zufolge, psychologische Zusammenhänge zwischen Mensch und Architektur zu analysieren und diese Erkenntnisse gezielt einzusetzen um Umwelten menschlicher zu gestalten.

Zunächst erörtert sie die Schwierigkeiten die beim Zusammentreffen der unterschiedlichen Positionen, einerseits praxisorientierter Architekten, andererseits eher theoretisch arbeitender Psychologen und schließlich den Bauherren ergeben.

Nun steigt die Autorin in die eigentliche Psychologie ein. Begriffe wie Individualität und Einheitlichkeit werden erläutert, sowie das Spannungsfeld das sich zwischen beiden Zielvorstellungen in der Praxis ergibt. Abgerundet werden diese theoretischen Erläuterungen durch Beispiele aus Lübeck, Berlin und Hamburg.

Die Probleme die sich aus unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Frauen und Männern ergeben werden erläutert. Ebenso die Architektur und ihr Umgang mit alter und neuer Baukultur. Wie passt man moderne Gebäude in alte Umgebungen ein und worauf kommt es an.

Überlegungen zur Stellung der Natur innerhalb gebauter Umgebungen und die Architektur aus künstlerischer Sicht in Literatur und Malerei runden dieses Kapitel ab.

Nun geht es in die Theorie der Architekturpsychologie, warum existieren überhaupt Theorie und theoretische Modelle? Die üblichen Forschungsmethoden der Psychologie werden erklärt, erst allgemein dann speziell in Bezug auf die Architekturpsychologie.

In Kapitel 4 geht die Autorin über, zu den Mensch- Umwelt Beziehungen und den dabei ablaufenden psychologischen Prozessen. Von der Orientierung des Menschen im Raum über seine Umweltwahrnehmung, Emotionen, ästhetische Faktoren, Territorialverhalten in Bezug zu Raum- und Landschaftsstrukturen, Umweltkontrolle, Ortsbindung bis hin zu Stress auslösenden Faktoren, werden alle wichtigen Raum-Mensch-Interaktionen beschrieben und anschaulich dargestellt.

Kapitel 5 beschäftigt sich konkret mit der Gestaltung von Umwelten für die verschiedensten Anwendungsszenarien. Vom Büro bis zu Lernumgebungen für Kinder und Erwachsene.

Kapitel 6 handelt von der Umgebungsgestaltung für bestimmte Zielgruppen. Menschen mit Behinderungen wird dabei ein großer Raum eingeräumt, die Notwendigkeit barrierefreier Gestaltung wird hervorgehoben.

Umwelten für alte Menschen werden ebenfalls behandelt, es folgen Überlegungen zu Person-Umwelt Modellen im Alter mit Vorstellung möglicher Lösungsansätze. Diese allerdings ohne tiefere Betrachtung raumpsychologischer Einflüsse, sondern nur auf Basis der physischen Anforderungen älterer Menschen.

Fazit:

Reines Feng Shui, nur unter einem wissenschaftlichen Begriff. Es scheint für jede noch so unwichtig erscheinende Mensch-Umwelt Interaktion bereits Studien und Fachbegriffe zu geben. Schade nur, dass diese lediglich einem kleinen Kreis von Psychologen zugänglich sind und diese wiederum keine Parallelen zum schon lange existierenden Feng Shui sehen.

Dabei sind die im Buch beschriebenen raumpsychologischen Interaktionen genau das was auch das chinesische Feng Shui zu ergründen sucht, lediglich die Begrifflichkeiten sind anders und die Architekturpsychologie wurde noch nicht so durch den Esoterik-Kakao gezogen wie das ach so spirituelle Feng Shui. Allerdings kommen meiner Meinung nach, die unbewussten Wirkungen unserer Umgebung in der westlichen Wissenschaft noch zu kurz.

Ich kann dieses Buch nur jedem Feng Shui Berater und Anwender ans Herz legen, wenn er einmal über seinen Tellerrand hinaus und in die elitäre Welt der Wissenschaft hinein schauen möchte.

Die Autoren:

Dr. Antje Flade ist Diplompsychologin und war nach ihrer Tätigkeit an der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Frankfurt in der Grundlagenforschung tätig. Seit 2006 widmet sie sich dem Ziel, Erkenntnisse der Wohn-, Architektur- und Stadtpsychologie weiter zu geben.

Prof. Dr. Friedrich Dieckmann ist Diplom-Psychologe und begleitet als Sozialplaner für Behindertenhilfe und in Forschungsprojekten zahlreiche Bauvorhaben. Seit 2003 lehrt der Psychologie im Fachbereich Sozialwesen an der katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Münster.

Dipl. Ing. Richard Röhrbein war in leitenden Stellungen im Bereich der Stadtplanung in Lübeck, Berlin und Potsdam tätig.

Dr. Manfred Sack ist ein bekannter Architekturkritiker und war bis 1997 Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit".

Antje Flade unter Mitarbeit von Friedrich Dieckmann und Richard Röhrbein. Mit einem Vorwort von Manfred Sack.
Architektur psychologisch betrachtet
2008. 334 Seiten
Format 21,8 x 14 x 1,8 cm
€ [D] 24,95
ISBN-10: 3456846126
ISBN-13: 978-3456846125



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